In der kleinen Gemeinde Flatz, am Fuße der Flatzer Wand und des Gösingberges liegend, war man schon immer dem Gesang und der Musik sehr zugetan, so dass es für die musikalischen Männer jener Zeit eine Selbstverständlichkeit war einen Musikverein zu gründen. Aus dem Gründungsprotokoll ist zu entnehmen, dass sich die Herren Micheller Franz, Scheibenreif Anton, Schürrer Johann, Postl Franz, Egerer Franz, Krader Karl, Woltron Franz, Postl Hans, Gerhartl Matthias, Mayerhofer Ignaz und Riedl Franz am 15. Dezember 1907 im Hause des Herrn Egerer Franz in Flatz Nr. 26 getroffen haben, um aus der bestehenden Ortsfeuerwehrkapelle einen Musikverein zu gründen. Der Monatsbeitrag wurde auf 30 Heller festgesetzt.
Die Wahl des ersten Vereinsausschusses ergab folgendes Ergebnis:
Obmann: Schürrer Johann
Obmann-Stv.: Postl Franz
Kapellmeister: Micheller Franz
Kapellmeister-Stv.: Scheibenreif Anton
Schriftführer: Postl Hans
Schriftführer-Stv.: Woltron Franz
Kassier: Gerhartl Matthias
Kassier-Stv.: Krader Karl
Die erste Uniform des Vereines bestand aus einer dunkelblauen Hose, blauer Bluse und einer blauen Schirmkappe mir aufgenähter Lyra. Alle finanziellen Schwierigkeiten in der Anfangszeit konnten die Musik liebenden Männer nicht beirren, fleißig zu proben und damit das musikalische Niveau der jungen Musikkapelle zu heben. Außer Marsch- und Tanzmusik wurde gute Konzertmusik gepflegt.
Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde der guten musikalischen Entwicklungsphase ein jähes Ende gesetzt. Fast ein Drittel der Kameraden kamen nach Kriegsende nicht mehr zurück in ihre Heimat.
Franz Postl war es, der in den Wirren der Nachkriegszeit begann die Musikkapelle neu aufzubauen. Franz Postl ging auch in die angrenzenden Orte Mahrersdorf und Raglitz, um aktive Musiker zu werben. Im Frühjahr des Jahres 1919 zählte der Musikverein Flatz bereits 23 Kollegen. Weiters wurde auch ein Streichorchester in Leben gerufen, welches die Weihnachtskonzerte von 1923 bis 1938 und von 1946 bis 1951 besorgte.
Im Jahr 1932 feierte der MV Flatz sein 25-jähriges Bestandsjubiläum. Zu diesem Bestandsfest hatten sich die Musikvereine Grünbach, Grafenbach, Gutenstein, Neunkirchen, Piesting, Pitten, Pottschach, Ternitz und Wöllersdorf eingefunden und mit ausgezeichneter Konzertmusik die Festgäste begeistert.
Am Höhepunkt der musikalischen Leistungskurve musste wiederum ein Großteil der Musikkameraden in den 2. Weltkrieg einrücken und die musikalische Tätigkeit wurde vollkommen eingestellt. Wieder kehrten einige Kollegen nicht mehr in die Heimat zurück.
Am 13.Jänner 1946 nahm der Musikverein in der Vollversammlung wieder seine Vereinstätigkeit auf. Der Neubeginn war denkbar schwierig. Ein Großteil der der Instrumente war verschleppt, oder von der Besatzungsmacht beschlagnahmt worden. Die Uniformen waren aus Furcht vor der Besatzungsmacht verschwunden. Das Notenmaterial war zum Teil zerstört, verstreut und unbrauchbar. Aber der Idealismus und die Liebe der Kollegen zur Musik, und die Treue und die Opferbereitschaft der Bevölkerung gab allen Kollegen wieder Ansporn und Mut aktiv am Vereinsleben teilzunehmen.
Als der Verein 1948, also um ein Jahr verspätet, seinen 40-jährigen Bestand feierte, zählte die Musikkapelle bereits 38 Kameraden. Bei diesem Bestandfest hatte der Verein bereits wieder eine einheitliche Kleidung: dunkle Hose, dunkelblaue Bluse mit aufgenähter Lyra und dunkelblaue Schirmmütze. Aus den Protokollen ist zu entnehmen, dass zu dieser Zeit an die 40 Proben im Jahr abgehalten wurden, dass die Musikfeste der Nachbarkapellen fast ausnahmslos besucht wurden und dass 3 bis 4 Konzerte jährlich abgehalten wurden. Weiters zählte der Musikverein zu dieser Zeit 3 Tanzkapellen.
Am 16.Juni 1957 feierte der Verein sein 50-jähriges Bestandsjubiläum. Zu diesem Fest wurde die Musikkapelle mit einer neuen Uniform eingekleidet. Sie bestand aus einer blaugrauen Hose, einer blaugrauen Bluse mit roten Kragenspiegel und aufgenähter Lyra, einer blaugrauer Schirmmütze mit Lyra, einem weißem Hemd und einer schwarzer Krawatte.
1962 wurde auf Initiative von Johann Ungersböck der MV von hoher Stimmung auf Normalstimmung umgestellt. Zu diesem Zweck wurden gut erhaltene Instrumente umgebaut, bzw. neue Instrumente mit Normalstimmung angekauft. Diese Umstimmung kostete S 68.000,-- und wurden vom Musikhaus Dehmal in Wien durchgeführt.
1965 komponierte der Wiener Professor Franz Gaislar, der in Flatz immer auf Sommerfrische war, den traditionellen „Flatzer Marsch“.
Kollege Ungersböck Johann war es, der immer wieder den Gedanken aufgriff, die Kapelle in eine stilechte Heimattracht einzukleiden. Nach wiederholten Gesprächen zwischen Ungersböck Johann und Frau Dr. Helene Grünn vom NÖ Heimatwerk wurde ein Entwurf für eine Fuhrmannstracht unseres Gebietes aus Anfang des 17. Jahrhunderts bei einer Vollversammlung einstimmig gut geheißen. Die Anfertigung der Trachtenjacken, Hüte und Gilets besorgte die Firma Franz Mayer aus Bad Aussee, die Lederhosen die Fa. Rottensteiner aus Neunkirchen, die Schuhe Johann Gruber aus Flatz und die Socken Maria Kerschbaumer aus Raglitz. Die Kosten betrugen
S 140.000,-- und wurden zum Teil aus Eigenmitteln des Vereines und zum Großteil aus Spenden der Bevölkerung und von verschiedenen Institutionen (1. Goldenes Ehrenbuch), sowie einer Subvention der NÖ Landesregierung aufgebracht. Zum 60-jährigen Gründungsfest am 17. und 18. Juni 1967, welches auch als Bezirksmusikfest abgehalten wurde, konnte man die Trachtenkapelle Flatz erstmalig in ihrer neuen Tracht sehen.
In den Jahren 1971/1972 wurde in Flatz ein neues Feuerwehrhaus gebaut. Der im Kellergeschoß eingeplante Schulungsraum für die FF Flatz wurde nach Rücksprache mit dem FF-Kommandanten Franz Ofenböck und dem Bürgermeister Houlabek ab 1973 regelmäßig als Probenraum benutzt. Die Proben des Musikvereines wurden bis zu diesem Zeitpunkt im Gasthaus Tobler in Flatz abgehalten.
Im Jahre 1973 wurde eine Außenstelle der Musikschule Neunkirchen in Flatz eingerichtet, womit ein inniger Wunsch des Kapellmeisters Gottfried Ullreich in Erfüllung ging. Musikkollegen aus den eigenen Reihen unterrichteten die Musikschüler und gaben ihr Können und Wissen weiter. Diese Bemühungen um die Jugend begann Früchte zu tragen, und im September 1973 wurde die Jugendkapelle Flatz gegründet. Sie bestand aus 23 Musikern und 1 Musikerin (Lisbeth Stangl) und ihr Kapellmeister war Musikschullehrer Josef Scheibenreif.
In der Generalversammlung vom 8.Dezember 1976 wurde einstimmig beschlossen, die Namensänderung von „Musikverein“ auf „Trachtenkapelle“ vorzunehmen.
Vom 13. -15. Mai 1977 fand das 70-jährige Gründungsfest in einem Festzelt am St.Lorenzer Anger statt. Zu diesem Anlass wurde das 2. Goldene Ehrenbuch angelegt.
Als zu Schulbeginn 1978 die Musikschule Ternitz I – Aussenstelle St. Lorenzen unter der Leiterin Prof. Erika Habart eingeführt wurde, wurde die Zweigstelle Flatz der Musikschule Neunkirchen eingestellt. Seit dieser Zeit unterrichten hauptberufliche Musikschullehrer die Musikschüler in den Räumlichkeiten der Volksschule St. Lorenzen.
Das 75-jährige Gründungsfest, verbunden mit einem Bezirksmusikfest, wurde am 5. und 6. Juni 1982 im Pfarrhof St. Lorenzen gefeiert. Zu diesem Zweck wurde mit Einverständnis des Herrn Pfarrers Pater Benedikt Stary der Pfarrstadel adaptiert. 25 Fuhren Streu, verrottetes Stroh und anderes Gerümpel mussten abtransportiert werden. Die acht tragenden Säulen des Dachstuhles wurden auf ein neues Fundament gestellt und der Tennboden des Stadels mit Aushubmaterial etwa 70 cm hoch aufgefüllt. Diese Arbeiten wurden von den Kollegen der Trachtenkapelle Flatz und der FF-Flatz durchgeführt. Seit dieser Zeit wurden im Stadel laufend Verbesserungen gemacht, sodass sich der Pfarrstadel zu einem beliebten Veranstaltungszentrum entwickelte.
Vom 22. bis 24. Oktober 1982 wurde im Musikheim Wartmanstetten eine Musikcassetten-Aufnahme gemacht. Die Cassette hatte den Titel „Blasmusik die man gerne hört“, und es wurden 500 Stück angefertigt.
Im Sommer 1983 wurde nach anfänglichen Unstimmigkeiten die „Original Flatzer Bauernkapelle“ gegründet. Sie bestand aus 10 bis 12 Musikkollegen aus der Trachtenkappelle und spielte bei diversen Frühschoppen, Dämmerschoppen, Geburtstagsfeiern und sonstigen Veranstaltungen auf. Als Uniform wurden eine schwarze Hose, ein weißes Hemd, ein Bindel und ein Kalmukjacke getragen.
Das 80-jährige Bestandsjubiläum wurde am 16. und 17. Mai 1987 im Pfarrhof St. Lorenzen gefeiert.
Im Frühjahr 1988 wurde ernsthaft die Frage eines neuen Proberaumes aufgeworfen, da der Proberaum im Feuerwehrhaus den musikalischen Anforderungen hinsichtlich Größe, Höhe und Akustik nicht mehr entspricht. Bei einer Ausschuss-Sitzung am 18.Juni 1989 wurde die Idee geboren, das bestehende Feuerwehrhaus aufzustocken. Das Bauamt der Stadtgemeinde Ternitz hatte keine Einwände und es wurde im Frühjahr 1990 eine Planskizze und ein Kostenvoranschlag von Baumeister Pichler Josef erstellt. Mit der Kostenteilung der Aufstockung entsprechend der verbauten m³ zwischen FF-Flatz und Trachtenkapelle Flatz war das Kommando der FF-Flatz nicht einverstanden, sodass letztendlich das Projekt scheiterte.
In dieser Lage trat eine neue Situation ein. Die Gemeinde Ternitz erklärte, dass sie ein Grundstück neben dem Feuerwehrhaus von der Agrargemeinschaft Flatz erwerben möchte, was auch erfolgreich durchgeführt wurde. Der Vorschlag, dass die Gemeinde Ternitz das Grundstück zur Verfügung stellt und die Trachtenkapelle Flatz die Bauausführung erledigt, konnte seitens der Trachtenkapelle nicht akzeptiert werden. Nach vielen und langwierigen Aussprachen einigte man sich schließlich auf die „Variante 4“ von den fünf Planentwürfen vom Architekten Dipl.Ing. Wilhelm Pokorny. Auf Grund eines Beschlusses der Trachtenkapelle vom Oktober 1992 hinsichtlich der Bauaufsicht, Benützung und Finanzierung des Neubaues wurden weitere Besprechungen geführt, die jedoch erfolglos blieben.
Anfang Jänner 1993 wurde Abg. z. NÖ Landtag Herr Werner Feurer zum neuen Bürgermeister der Stadtgemeinde Ternitz gewählt. Schon am 15. Jänner erfolgte der Durchbruch bei einer Aussprache mit dem Bürgermeister und es wurde folgender Beschluss gefasst: Die Gemeinde Ternitz errichtet auf der Grundstücks-Parzelle 652/2-KG.Flatz schlüsselfertig ein Kulturhaus. Die Trachtenkapelle Flatz tritt als Mieter auf. Am 3. Juli 1993 erfolgte die Grundsteinlegung und am 25.Juni 1994 fand die Eröffnung des neuen Kulturhauses statt.
Ab September 1994 werden die Musikproben im neuen Kulturhaus abgehalten. Kästen für Instrumente, Notenmaterial, Tracht und Sonstiges wurden besorgt, und eine Orchesterbühne wurde in Eigenregie von den Kollegen angefertigt. Weiters wurde die Akustik verbessert und eine Musikanlage angekauft. Endlich war das Vorhaben eines neuen Proberaumes erreicht und am 20.November 1994 fand im überfüllten Festsaal das Eröffnungskonzert statt.
1993 ist Franz Woltron zum Obmann der Trachtenkapelle Flatz gewählt worden und Johann Ungersböck wurde Ehrenobmann der Trachtenkapelle Flatz.
Vom 20. bis 22. Juni 1997 feierte die Trachtenkapelle Flatz ihr 90-jähriges Jubiläum im Rahmen eines Bezirksmusikfestes. Neben vielen anderen Gastkapellen waren auch unsere Freunde aus dem Schwarzwald, der Musikverein Gündrigen aus Deutschland als Gratulanten angereist.
Im Frühjahr 1998 wurden unsere Musikantinnen mit einem Trachtendirndl eingekleidet.
Im Jahr 2002 legte Gottfried Ullreich nach 31 jähriger Tätigkeit als Kapellmeister sein Amt zurück. Zum neuen Kapellmeister wurde Ing. Johann Ibersberger gewählt. Sein Stellvertreter wurde Lind Jürgen.
Im Jahr 2007 feierte die TK Flatz ihr 100-jähriges Bestehen mit einem großen Fest. Zu diesem Jubiläum produzierten dieMusiker/innen eine DVD welche die 100-järige Vereinsgeschichte zeigt. Mit alten Photos und Filmmaterial, sowie mit einem Kurzfilm über die Tätigkeiten im Verein und natürlich mit selbst aufgenommenen Musikstücken wurde diese DVD gestaltet.
Der Stand im Jahr 2007 beträgt 68 aktive MusikerInnen davon 25 Musikerinnen und 43 Musikanten sowie 5 Marketenderinnen.
Die Kapellmeister in der Vereinsgeschichte der TK-Flatz